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März 2022 · Zirkusprojekt

Schon der Blick auf den umgedrehten Slogan von Zirkus Hoppla zeigt die Intention, mit der die Zirkuspädagogen deutschlandweit und sehr erfolgreich in die Schulen gehen. Sie möchten etwas auf den Kopf stellen, bewegen, die Schülerinnen und Schüler zu Darstellern machen, indem sie ihnen praktische Einblicke gewähren, in eine Welt, in der der inklusive Gedanke seit jeher Tradition hat. Beweggründe, die auch ins Schulkonzept der Sekundarschule Niederrhein passen und so brachte die Schulleitung die Idee für die Projektwoche ins Rollen. Bei einer Schülerbefragung später wurde klar: Ja, Zirkus Hoppla soll zur Anne-Frank-Straße kommen!

Auf großes Brimborium in Form eines Zeltes verzichtet dieses Künstlerkollektiv dabei übrigens bewusst. Der Kosten-, Aufbau- sowie Überwachungsaufwand würde die eigentlichen Ziele von Hoppla nicht vorantreiben. Hier steht nicht der große Auftritt am Ende im Vordergrund, sondern der Prozess an sich. Und dieser ist in ein schon hundertfach bewährtes Konzept gekleidet.

Die in Kleingruppen aufgeteilten Schülerinnen und Schüler lernten zunächst alle Zirkusdisziplinen kennen, die die Hoppla-Akteure ihnen im Laufe der Woche näherbrachten: Jonglage, Seiltanz, Akrobatik, Flowerstick sowie Pois (Objekte zur Darstellung von Bewegungskunst). Am Ende dieser Einführung stand eine schwere Entscheidung, denn nur eine dieser Disziplinen durfte jeder Nachwuchsartist in der täglich zweistündigen Intensivzeit bis zum Ende der Woche unter Anleitung der Artisten perfektionieren.

Der restliche Tagesablauf teilte sich dann jeweils in eine von den Lehrer/innen in ihren Kleingruppen organisierte praktische Übungseinheit mit vom Zirkus bereitgestellten Requisiten wie Diabolo oder Teller-Jonglage sowie in die Arbeit an den verschiedensten Kleinprojekten zum bunten Thema Zirkus, für das sich ebenfalls die Lehrer/innen verantwortlich zeigten. Hier entstanden aus der Vogelperspektive abgelichtete Liegebilder, die Gänge wurden geschmückt, es wurde gezaubert und das Geschehene wurde von Dokumentationsgruppen fleißig in Bild und Ton fixiert, während aus der Küche wiederum angenehme Düfte als Vorbote für den Pausensnack strömten. Dieser war übrigens genauso abwechslungsreich wie sinnstiftend – die Einnahmen in Höhe von 800 Euro kommen der Ukraine über die Kirchengemeinde Maria Magdalena in Geldern zu Gute. Ein Thema, das die Kinder beschäftigt und so fertigten sie individuelle Wimpel an, um ihre Wünsche und Bedürfnisse an das ukrainische Volk in einer großen Wimpelkette gemeinsam in Szene zu setzen. „Mittwoch wird die Luft bei den Kindern etwas raus sein“, unkte Janosch, einer der multiprofessionellen Theaterpädagogen, auf der Schulung für das Kollegium zu Beginn der Woche. Dass sich dieser Blick in die Glaskugel dann aber nicht bewahrheitete, zeigte sich am Interesse der Jugendlichen, ihre eigene Routine zu verlassen und vor allem, sich auf neue Herausforderungen aktiv einzulassen – selbst wenn es mal mit Schmerzen verbunden war, wie etwa beim Seiltanz, wo sich das Stahlseil doch als deutlich härter erwies als die Schülerfüße. Doch gerade diese Disziplin eignete sich besonders gut, um festzustellen, dass es langsam aber sicher Schritt für Schritt vorangeht, wenn man sein Ziel fest im Blick behält und sich nicht ablenken lässt. Und so nahte auch schon der Freitag und mit ihm der proklamierte Höhepunkt der Woche – der große Auftritt. Lampenfieber an! Die bereits am Mittwoch eigens aufgebaute und geschmückte Bühne bildete einen festlichen Rahmen für all das, was sich die Kinder unter der Woche erarbeitet hatten. Dabei ging es aber nicht nur um Auftritte im herkömmlichen Sinne. In ihren Gruppen hatten die Schüler/innen Challenges mit auf den Weg bekommen, die sie für den Tag des Auftritts umsetzen mussten. Und so präsentierte die Jonglage-Gruppe dem Publikum ihre Fortschritte beispielsweise im Dokumentationsstil per Video, während die Seiltanz-Gruppe Freiwillige auf die Bühne holte, um selbst in die Rolle von Vermittlern zu schlüpfen und die ersten Schritte auf dem Seil anzuleiten. Dieses Vorgehen sorgte für ein buntes und abwechslungsreiches Programm, das für viel Applaus sorgte. Dementsprechend zufrieden fiel dann auch das Fazit vom Zirkus Hoppla aus – diese Woche hat sich wirklich gelohnt!

Um auch die Ergebnisse aus den einzelnen Projekten zu würdigen, nutzten die Schüler/-innen die Aula am darauffolgenden Montag als Präsentationsraum für ihre Ergebnisse und nahmen diese in Museumsgängen genau unter die Lupe. In der Nachbetrachtung durch die Schüler/-innen und das Lehrerkollegium war die erlebte Zirkusprojektwoche genauso wie ein Zirkus eben sein sollte – einfach rund!

Viele Grüße
Claudius Richter